Nepal, Manaslu, Tsum Valley, Trekking, Wandern, Himalaya

Reisebericht Nepal Manaslu, Tsum Valley

Dies ist nicht unsere erste Reise nach Nepal. Es gibt hier etwas, das uns immer wieder anzieht. Die Schönheit und die Ruhe der Berge, genauso wie das Gewusel und der Lärm Kathmandus, die ihren eigenen Pulsschlag und ihre eigene innere Ruhe hat.

 

Kathmandu Thamel

07.10.2018

 

Nach einer langen Anreise mit  Zwischenstopp in Dubai, erreichen wir endlich Kathmandu. Bevor wir in die Stadt fahren können, müssen noch die Einreiseformalitäten erledigt werden. Wir füllen das Zollformular aus, geben unsere Passdaten in einen Terminal ein und stehen dann an der Visakasse an, bezahlen und erhalten eine Quittung mit der wir an einer anderen Stelle unsere Einreisevisa erhalten. Leider ist ein  ATM-Geldautomat nicht zu finden, also wechseln wir Geld in der Wechselstube, um das  Prepaid Taxi zu bezahlen, das uns in die Stadt bringt. Zum Glück finden wir schnell ein ordentliches Zimmer in Thamel. Ich kann dem Bett nicht widerstehen, Mathias dreht jedoch gleich noch eine Runde und trinkt Chai.

Später nehmen wir Kontakt mit Dill Bahadur Chhetri von der Reiseagentur “ Adventure Metro Everest “ auf, den Mathias von seiner letzten Nepalreise kennt. Er will  sich um einen Porter-Guide, die nötigen Permits für unseren Trek und die Bustickets kümmern. Für die Manaslu Region ist ein Guide vorgeschrieben und wir suchen einen Guide, der uns auch beim Tragen hilft. Dill verspricht den richtigen Mann zu finden.

Im White House Kitchen gibt es zum Abendessen Curry mit Chapati.

 

Kathmandutal Monkeytempel Bodnath

08.10.2018

 

Zum  nepalesisches Frühstück gibt es Chapati mit Ei.

Dann wollen wir zur 2 km entfernten Swayambhu Tempelanlage, dem „Monkeytemple“ laufen, biegen allerdings falsch ab und entdecken Familien, die Müll sortieren, der ihnen von Müllsammlern per Laster oder Fahrrad angeliefert wird. Schließlich nehmen wir doch ein Taxi.

Die Tempelanlage geht auf das fünfte Jh. zurück, diente wahrscheinlich schon früher als Gedenkstätte und stellt für die nepalesischen Buddhisten ein wichtiges Kraftzentrum da. Einige Teile der Anlage wurden durch die Erdbeben von 2015 zerstört, die reich verzierte Stupa mit den Augen Bhuddas und die Gebetsmühlen lassen sich noch bewundern. Der Ort wimmelt von Pilgern und Touristen, die zahllosen Affen halten Siesta. Schlafende  Affen sehen wir zum ersten mal. Hier oben  genießt man einen weiten  Ausblick über die Stadt und das Kathmandutal.

Mit dem Taxi fahren wir zur Stupa von Bodnath. Diese Stupa gehört weltweit zu den größten ihrer Art und hat eine besondere Bedeutung für die Exiltibeter. Sie ist ein Zentrum tibetischen Lebens mit Klöstern, Kunsthandwerk und Restaurants. Christina kauft noch Räucherwerk, dann müssen wir zurück zum Abendessen mit Dill. Auf der Rückfahrt steht unser Taxi dann in einem endlosen Stau. Unsere Verspätung stellt für das nepalesische Zeitgefühl allerdings kein Drama da und uns Dill erklärt uns bei Bier, Lemonsoda und Momos – frittierten Teigtaschen mit Gemüsefüllung – dass Pünklichkeit, auf Grund der nepalesischen Verkehrssituation unmöglich sei.

 

Kathmandutal Patan

09.10.2018

 

Dill und seine Schwester nehmen uns mit zu einer hinduistischen Gedenkzeremonie. Unter der Anleitung und den Gebeten eines Priesters, opfern Familien ihren verstorbenen Angehörigen Wasser, Essen und Blumen. Das Tempelgelände sieht aus wie ein Picknickplatz. Aus den Buketts, die dem Fluss übergeben werden, nehmen sich die Ärmsten, was sie gebrauchen können. Der Rest ist Fressen für heilige Kühe und wahrscheinlich Ratten.

Der Lokale  Minibus bringt uns nach Patan, der vermutlich ältesten Stadt des Kathmandutals. Versehentlich setzen wir uns in die Sitzreihe für Frauen. Wir bitten eine Mitreisende mit uns zu tauschen und entdecken später, dass sie ihren bequemen Platz für uns aufgegeben hat.

Trotz des hohen Eintrittspreises von fast zehn Euro, ist die Altstadt von Patan überfüllt mit einheimischen- und ausländischen Touristen. Viele der Tempel wurden nach dem Erdbeben noch nicht wieder aufgebaut. Wir vermissen den Charme dieser alten Stadt und flüchten in ruhige Seitengassen. Dort besuchen wir den Golden Tempel, mit seinem berühmten Mandala in der Innendecke des Eingangsportals und einer kleinen aber sehr prächtigen Pagode im Innenhof des Klosters aus dem zwölften Jahrhundert. Im Atelier eines Thanka Malers bewundern wir die filigrane Kunst dieser traditionellen Mandala Malerei. Eins der Bilder wird unser erstes Souvenir. Sehr süße Plätzchen aus einer kleinen Bäckerei werden unser Reiseproviant.

Der Rückweg zum Taxistand führt uns durch einen Kleiderbasar. Das Gedränge ist unvorstellbar! Billige, chinesische Kleidung, Schuhe und Taschen werden unter lautem Geschrei angepriesen, dazwischen fahren Mopeds und Autos.

Ein Taxi bringt uns zurück nach Thamel, wo wir abends im „White House Kitchen“ viel Spaß mit den einheimischen Gästen haben. Wir freuen uns jetzt darauf, endlich das Kathmandutal zu verlassen und unsere Trekkingtour zu beginnen.

 

Manaslu, Tsum Valley Trek

1. Tag Busfahrt von KTM nach Arkhet Bazar. und 1 Std. Wanderung nach Sotikola.

10.10.2018

 

Die 8 Stunden holprige Fahrt, auf zum Teil unbefestigten Straßen, verbringen Mathias und ich abwechselnd auf dem Boden sitzend. Unsere Sitzplätze sind in der letzten Reihe. Hier ist maximal Platz für sechs Personen, verkauft werden allerdings acht Tickets. In einem Dorf steigen zwei Frauen mit einer Ziege ein. Wir ahnen, warum sich außer uns, niemand auf den schmutzigen Fußboden setzt, obwohl viele Fahrgäste keinen Sitzplatz haben.

In Arkhet Bazar angekommen, laufen wir endlich noch eine Stund nach Sotikola. Obwohl unsere Glieder und der Rücken durch die Busfahrt schwerzen ist es eine Wohltat. Das Guesthouse, in dem wir übernachten, liegt an einem wilden, lauten Fluss; zum Glück haben wir Ohrstöpsel dabei.

 

2. Tag von Sotikola (700m) nach Khorlabeshi (970m)

11.10.2018

 

Heute beginnt endlich unser Trek. Langsam wandern wir auf einer bequemen Straße aufwärts, immer am Flusstal entlang. Wir überqueren zahlreiche Wasserfälle. Die Landschaft ist energiegeladen. Ein 77-jähriger Deutscher, der uns einige Male begegnet, gibt uns Hoffnung für zukünftige Reiseprojekte! Dann erzählt uns noch eine Gruppe Kanadier von einem Busunglück. Der voll gestopfte Bus, in dem sie saßen, hatte sich überschlagen, ein Junge wurde dabei schwer verletzt.

Nach dem Mittagessen in Nauli Khola wird der Weg interessanter, schmaler, steiler, steiniger. Wir durchwandern Geröllfelder und begegnen immer wieder Maultier-Karawanen. Die treuen Tiere arbeiten hart aber auch die Karawanenführer haben allerhand zu tun. Sie können immer nur die Tiere in ihrer Nähe antreiben, wenn es über einen schmalen Grat geht, bleiben die vorderen, oder einige in der Mitte auch mal stehen. Dann bedarf es vieler Pfiffe, Schreie und Steinwürfe um sie anzutreiben.

 

3. Tag von Khorlabeshi (970m) nach Jagat (1300m)

12.10.2018

 

Weiter geht es am Fluss entlang, den wir einige Male über Hängebrücken überqueren. Längst gibt es keine Straße mehr und der Eselspfad ist teilweise anspruchsvoll. Wir teilen unseren Pfad und die Hängebrücken mit unzähligen Muli-Karawanen. Sie versorgen die Manaslu Region mit allem, was die locals und die Touristen brauchen. Wir sehen auch viele menschliche Lastenträger. Unser Weg führt uns durch die Gorkha Region. Wenn ein Mann hier Ruhm und Ehre erlangen will bewirbt er sich als Elitesoldat der Gurkha Einheit. Sie dienen, außer in der nepalesischen Armee, auch in der indischen, britischen und in Singapur.

Unser Guide Manus nennt Mathias großen Bruder ( Daai )  und mich große Schwester ( Didi ). Wir nennen ihn kleinen Bruder ( Bhaai ). Familiäre Anreden sind in Nepal Höflichkeitsformen, die Namen werden kaum gebraucht. Unser Bhaai läuft wie ein Uhrwerk, immer im gleichen Tempo, bergauf, bergab, gerade aus, auf schwierigen oder leichten Pfaden. Wir hingegen stürmen los, trödeln herum und verlieren Zeit mit fotografieren oder fingern an unserer Ausrüstung herum. Dann müssen wir wieder aufholen. Manus ist unglücklich, weil er das „Dasein Fest“ nicht mit seiner Familie verbringen kann. Eltern und Großeltern segnen ihre Kinder und kleben ihnen Tikkas auf die Stirn, dafür erhalten sie Geschenke von den Jüngeren. Wir wandern noch immer in warmem Gebiet mit üppigem, subtropischen Grün, etlichen Farnpflanzen und wunderschönen Schmetterlingen. Gegen Nachmittag wird es kühler.

In Jagat befindet sich der erste Checkpoint, hier werden die Permits der Trekker, aber auch die Lizenzen der Guides kontrolliert. Die Dorfstraße Jagats ist mit grauen Steinplatten gepflastert, es gibt einen Chorten und die Architektur und Dekoration der Häuser ist schon typisch tibetisch. Kaum im Zimmer des freundlichen Rubinala Inns, fängt es an zu regnen. Super Timing!

Das schwere Erdbeben von 2015 ist immer wieder Gesprächsthema zwischen uns und Manus. Auch im Gorkha Distrikt wurden ganze Dörfer zerstört, ganze Familien getötet. Internationale Hilfe kam nur teilweise an. Viel Geld versickerte in offiziellen Kanälen. Manus erzählt auch von verletzten und schreienden Menschen in Kathmandu.

 

4. Tag von Jagat (1340) nach Elke Bhatti (1600)

13.10.2018

 

Der Fluss, den wir mehrfach überquert haben, heißt Buddhi Gandaki (alte Flüssin). Sie wird immer jünger, je weiter wir nach Norden kommen. Die Schlucht wird schmaler und die Sonne verschwindet jetzt früher. Wir laufen heute nur 5 Stunden. Ab morgen wird es dann richtig bergauf gehen. Vom ständigen bergauf und bergab laufen sind unsere Beine heute schwer und die Pause ist willkommen.

Nach ca. 15 Minuten kommt die Sonne heraus und Mathias bemerkt, dass er seinen Hut im Zimmer vergessen hat. Manus eilt für ihn zurück zur Herberge und wir laufen langsam weiter zum nächsten Dorf. Sein Gepäck teilen wir unter uns auf. Nach 45 Minuten ist er schon wieder bei uns und trinkt mit uns Tee. Unterwegs sonnen sich viele Geckos auf den warmen Steinen, groß mit gelbem Rücken, blauen Beinen und blauem Schwanz. Oft begegnen uns Einheimische, auch Träger, die beim Laufen laute Musik aus ihren Smartphones hören.

Hinter einer Wegbiegung bekommen wir einen ersten Ausblick auf hohe Berge mit schneebedeckten Gipfeln. Wir fotografieren und genießen die Aussicht. Kurz darauf verhüllen sich die Berge wieder mit einem Wolkenschleier.

Vorsicht vor Mulis. Sie kennen nicht unbedingt die Ausmaße ihrer Last. Wenn euch eine Karawane auf schmalem Grat begegnet, seht zu, dass ihr nicht auf der Abhangseite steht. Auch auf der sicheren Seite könnt ihr noch geschubst werden aber ohne Gefahr in die Tiefe zu stürzen.

 

5. Tag von Elke Bhatti (1600m) nach Chumling (2386m)

14.10.2018

 

Super harter Tag heute! Anfangs ist das auf und ab etwas sanfter. Zwischendurch gibt es kurze, gerade Strecken zum „ Auslaufen “. Große Schritte tun gut. Eine Frau bittet uns um Hilfe. Ihr Baby hat sich die Hand mit heißem Öl verbrannt. Die Einheimischen wissen, dass Touristen Arzneien dabei haben. Wir können der Frau aber nicht helfen und schicken Sie zur nächsten Krankenstation.

Später teilt sich die Strecke. Wir verlassen den Manaslu Rundweg und biegen nach rechts Richtung Tsum Valley ab. Hierher werden wir wieder zurückkommen. Es wird waldiger. Wir genießen das Laufen zwischen Pinien, Bambus, Rhododendren, Farn und Artemis. Es duftet herrlich. Wir nehmen in Lokpa, im letzten Restaurant bis Chumling, gegen 10:30 Uhr ein spätes, zweites Frühstück ein. Um 11:15 Uhr geht es weiter, erst ein kurzes Stück sanft bergab durch den Zauberwald und ab dann nur noch bergauf, über Stufen und Steine. Wir überqueren Hängebrücken und Brücken, die sich an Felswänden entlang hangeln. Bis 17:00 Uhr laufen wir ausschließlich bergauf. Wir haben traumhafte Ausblicke aber diese Anstrengung brauchen wir nicht jeden Tag! Wir laufen nicht bis zur Schmerzgrenze, sondern darüber hinaus!

Zur Belohnung für unsere Strapazen, übernachten wir im Hotel Shambala, wo es zum Duschen einen Eimer heißes Wasser gibt. Welch ein Luxus!

Der Trek führt uns über zahllose Hängebrücken, da darf man keine Höhenangst haben. Aber denkt jetzt nicht an Indiana Jones. Wir sind immer nur über recht neue Brücken gelaufen – ohne morsche oder fehlende Balken – die sich entspannt überqueren lassen. Manchmal bleiben wir in der Mitte sogar stehen und fotografieren. Ist die Brücke sehr hoch oder lang oder ist es sehr windig, wird es allerdings schwierig. Du kannst dann einen Punkt fixieren – entweder den Rucksack vor dir, oder etwas Festes am anderen Ufer. Das hilft meistens.

 

6. Tag von Chumling (2386 m) bis Lar (3245 m)

15.10.2018

 

Heute wird es zum ersten Mal abenteuerlich. Wir brechen wieder um 8:00 Uhr auf und laufen recht gemütlich berrgauf und bergab, bis zur Teepause um 10:30 Uhr. Dort plaudern wir mit einer deutschen Familie, die mit ihrem Baby wandert. Danach geht es 3 Stunden steil bergauf – die erste Stunde ist die schwierigste. Der Weg ist sehr steil, teilweise abbrüchig oder unter Geröll, ganz verschüttet. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir endlich Chhokang Paro und essen zu Mittag. Unser ursprünglicher Plan, war bis Nile durchzulaufen. Nach dem Anstieg überlegen wir in Chhokang Paro zu bleiben. Allerding ist im Chi Phu Kloster ein bedeutender Lama zu Gast, weswegen viele Pilger die Gasthäuser frequentieren. Das Gasthaus, das noch Zimmer frei hat, gefällt uns nicht. Also laufen wir, den ab jetzt nicht mehr ganz so steilen Weg, weiter bergauf, unsere Müdigkeit und die Höhe machen das Laufen jedoch sehr anstrengend. Irgendwann erreichen wir endlich das Hochplateau. Steinsteinmauern umgrenzen die Felder, es gibt Pferde, Kühe und eine Kreuzung aus Yaks und Hochlandrindern. In einem Dorf springen einige Kühe über eine Steinmauer von etwa 1 m 20 Höhe. In der Nähe des Klosters kommen uns viele Tibeterinnen entgegen, die uns strahlend grüßen. Eine Frau segnet uns sogar. Einige Männer reiten auf Pferden. Es ist erstaunlich, wie diese kleinen, zottigen Pferdchen über die Steine galoppieren. Die Wege, auf denen wir laufen, sind von Steinmauern eingefasst und führen an etlichen Chorten vorbei. Irgendwann kommt das Kloster Chi Pho Gangpa, das sich an einen Hang schmiegt, in Sicht und wir sehen in der Ferne eine Prozession, die offenbar den Lama zu seinem Hubschrauber begleitet. Vor uns winkt eine Gruppe von Menschen dem startenden Hubschrauber zu.

Langsam beginnt es zu dämmern. Die Menge bunt gekleideter Menschen läuft nach Hause. Wir laufen mit Ihnen mit und lassen uns treiben. Es wird immer dunkler. Manus ist diese Strecke selbst noch nie gelaufen. Jemand spricht ihn an, es sei noch eine Stunde bis zum Dorf Nile. Er zeigt uns den Weg in eine andere Unterkunft in Lar, die wir nach 20 weiteren Minuten erreichen. Es ist schon dunkel, als wir endlich in einer einfachen, kalten Unterkunft ankommen.

Körperpflegetipps: Hier oben gibt es nur gegen viel Geld (Gegenwert einer Mahlzeit) einen Eimer heißes Wasser zur Schöpfdusche. Doch wer möchte sich bei 5°C in einem zugigen, unbeheizten Schuppen ausziehen? Feuchttücher und Deo verhindern ein paar Tage lang, dass ihr wie eine Yakherde riecht.

Für Langhaarige: Abends Haare waschen, wenn es langsam kalt wird und dann stundenlang nasse Haare haben, darüber freuen sich Erkältungsviren. Trockenshampoo hilft eine Weile, zusammen mit Mütze oder Tüchern. Ach ja, Toilettenpapier gibt es ja auch nirgends. Wenn ihr also nicht die „linke Hand“ benutzen wollt, solltet ihr welches dabei haben.

 

7. Tag von Lar (3245 m) nach Mu Gompa (3700 m) und zurück

16.10.2018

 

Was waren wir gestern Abend froh über eine Unterkunft! Bei Licht betrachtet ist es hier allerdings recht schmuddelig und ungepflegt. Der Gipfel ist die Musik in Discolautstärke, die uns um 6:00 Uhr weckt. Beim Spaziergang durchs Dorf, finden wir das gepflegte, nagelneue Hotel Khawachen mit freundlichen Gastgebern. Also überreden wir Manus umzuziehen, schließlich haben wir heute „frei“. Es steht ein Tag Höhenanpassung auf dem Programm, mit einer Wanderung zum Mu Gompa Kloster. Durch den Umzug kommen wir erst um 9:00 Uhr los und laufen ohne Gepäck zum Mu Gompa Kloster. Anfangs entspannt, führt unser Weg hinter Nile immer steiler bergauf. Es wird auch immer windiger mit Erdrutschen und Geröllfeldern. Wir sehen Yaks und Blauschafe. Die Flora besteht aus Koniferen, Bibernellrosen, Mini-Löwenzahn und Enzian. Dann erreichen wir eine Straße nach China, die sich im Bau befindet. Sie soll einmal der Versorgung des Tsum Valleys dienen.

Endlich erreichen wir das Kloster, einen windigen Adlerhorst. Die Töchter des Hausmeisters kauen blauen Kaugummi und kochen uns Tee und Nudelsuppe. Die Suppe ist eine chinesische Glutamat – Instantsuppe. Zur Verfeinerung steht Marsala bereit, eine Art Pesto aus Chilis, Knoblauch, Frühlingszwiebeln und Korianderblättern mit Salz und Öl. Das werde ich zu Hause nach kochen. Dann schließt ein Mönch die Tempeltüren auf und wir dürfen hinein. Viele uralte Schriftrollen liegen in dem alten Tempel und etliche Buddhastatuen schauen auf uns herab. Es brennen Butterlampen und der Mönch wechselt die Schalen mit dem Opferwasser. In der Tempelmitte die befinden sich die Gebetsplätze der Lamas, deren dicke Umhänge wie leere Hüllen zu warten scheinen.

Zügig eilen wir den Berg wieder hinab, um dem kalten Wind zu entgehen. Als wir ein ganzes Stück gelaufen sind bemerkt Mathias, dass seine Trinkflasche fehlt. Speedy Manus, die schnellste Maus Nepals, flitzt los, sie zu holen.

Chorten: Chorten sind Stupas oder Mauern in tibetischen Siedlungen. Sie bestehen aus geschichteten Steinen, von denen viele die Inschrift Om mani padme hum tragen. Dieses wichtige, buddhistische Mantra in Sanskrit richtet sich an den „Diamant im Lotus“ und drückt Mitgefühl für die, im Kreislauf der Wiedergeburten Gefangenen Lebewesen aus. Wir erweisen dem Chorten Respekt, indem wir ihn im Uhrzeigersinn passieren. Manche Chorten bilden auch Tore, dann befinden sich an der Decke Mandalas und Darstellungen Bhuddas.

 

8. Tag von Lar (3245 m) zurück nach Chumling (2386 m)

17.10.2018

 

Wir müssen das schöne, von Bergen umschlossene Tsum Valley verlassen, da unsere Zeit sonst knapp wird. Lar hat übrigens erst seit 2008 Strom. Uns fällt nicht ein zu fragen aber wahrscheinlich kommt der Strom aus einem der vielen, kleinen Wasserkraftwerke, die wir gesehen haben. Größere Teile zum Haus- oder Brückenbau müssen übrigens per Helikopter aus Kathmandu eingeflogen werden.

Schnell wandern wir bergab und wundern uns, über die zurückgelegte Strecke, die sich bergauf so gezogen hatte. In Chhokang Paro gibt es erneut einen Checkpoint und ein zweites Frühstück. Endlich wachsen wieder Pinien, Farne und andere Pflanzen, wie z.B. Hanf, der wird hier ca. 3 m hoch und für die Textil- und Seilherstellung verwendet…

.Auch das Zirpen der Grillen begleitet uns bald wieder. Bereits um 14:00 Uhr sind wir zurück in Chumling und genießen die heiße Schöpfdusche mit Haarewaschen.

 

9. Tag von Chumling (2386 m) nach Pewa (ca. 1600 m)

18.10.2018

 

Ein kleines Hirtenmädchen schenkt uns Blumen. Der Wald duftet nach Bäumen mit kleinen gelben Blüten, die wie Rhododendren aussehen, die doch eigentlich im Frühling blühen. Es riecht nach Linde mit Jasmin. Irgendwo riecht es auch pfeffrig, grasig wie in den Tropen. Der Abstieg schmerzt, trotz unserer Wanderstöcke, in den Kniegelenken. Einer alte Frau gefallen unsere Wanderstöcke. Sie gibt uns zu verstehen, dass sie von unseren vieren gerne einen hätte und greift danach. Wir lachen mit ihr über den Scherz, sind uns aber nicht sicher, ob sie es nicht ernst meint. Ein bisschen tut sie uns wegen ihres Alters auch leid. Schließlich geht sie weiter und meistert  flink wie eine Bergziege, den steilen Geröllweg. In Pewa erwartete uns ein großes, überfüllte Gasthaus und Regen in einer engen Schlucht.

 

10. Tag von Pewa (ca. 1600 m) nach Ghap (2145 m)

19.10.2018

 

Wir sehen zu, diesen unfreundlichen Ort hinter uns zu lassen. Die Stimmung ist gereizt, wir zankten uns und sprechen bis zum Abend nicht miteinander. Mathias unterhält sich unterwegs mit einigen Trägern ( Porters ), deren Last über 60 kg wiegt. Wir hören, dass max.35 kg gesetzlich erlaubt sind, doch einige Reiseunternehmen machen Druck. Je weniger Porter, umso größer ist die Gewinnspanne.

 

11. Tag von Ghap (2145 m) nach Lho (3180 m)

20.10.2018

 

Sehr anstrengende aber wunderschöne Strecke. Wir laufen durch einen Wald mit großen Baumpersönlichkeiten, Pinien, Lärchen und Eichen. Leider leidet der Wald stark unter dem Bauboom. Nach dem Erdbeben haben die Nepali eine Entschädigungen für ihre zerstörten Häuser bekommen. Viele bauen jetzt, statt eines einfachen Steinhauses, ein großes Gasthaus, auf Kosten des Waldes. Natürlich brennt das heilige Herdfeuer auch mit Holz, dafür werden die Bäume aber oft nur beschnitten.

Auch in Nepal ist der Herbst bunt und gegen Abend werden die Farben noch intensiver. Das Maisstroh wird gerade von den Feldern geholt, während der lokale Weizen noch ca. zwei Wochen zum Reifen braucht. Insgesamt wächst er sieben Monate. Es duftet nach welkenden Pflanzen in der feuchten Abendluft. Und immer geht es noch einen Berg weiter hinauf. Mit dem letzten Licht schaffen wir es nach Lho. Jetzt sitzen wir im verräucherten Aufenthaltsraum unserer Herberge, deren Bollerofen nicht richtig zieht.

 

12. Tag von Lho (3180 m) nach Sama (3520 m)

21.10.2018

 

Wir wir brechen um 7:00 Uhr auf und laufen ca. 4 Stunden nach Sama, wo wir unbedingt noch ein Zimmer kriegen müssen. Obwohl der Weg recht gemütlich verläuft, sind wir müde und noch erschöpft vom langen, gestrigen Marsch. Wir erreichen Sama bei strahlendem Sonnenschein, doch bald schon wird es bewölkt, windig und kalt. Nach dem Mittagessen besichtigen wir erst das Dorf und dann das nahe gelegene Kloster. Hier gibt es alte und auch nagelneue Gebäude.

Danach legen wir uns in unsere kalten Schlafsäcke. Abends muss uns Manus wecken, damit wir nicht zu lange schlafen. Der Aufenthaltsraum ist beheizt, der Kamin zieht richtig und wir unterhalten uns mit einem netten deutschen Ehepaar. Die beiden reisen auch gerne, kennen aber andere Ziele wie wir – Wandern in der Türkei oder Wüstenfahrten im Oman.

Zum Schlafen bekommen wir extra Decken und heißes Wasser in unsere Trinkflaschen. Die nehmen wir als Wärmflaschen mit in unsere Schlafsäcke. Später im Bett hören wir ganz in der Nähe ein lautes Grunzen. Mathias weist die Verdächtigung er würde schnarchen, weit von sich. Tatsächlich suchen nachts Yaks den Windschatten der Häuser.

 

13. Tag Sama (3520 m)

22.10.2018

 

Wir bleiben zum Akklimatisieren in Sama und wandern ca. 1 Std. bei strahlender Sonne zum nahen Gletschersee. Auf dem Weg zeigt uns Manus drei Chorten zum Totengedenken. Er erklärt uns die Bestattungsrituale der Tibeter. Nach sieben Tagen beten und trauern werden die Toten verbrannt. Anders als die Hindus, welche die Asche ihrer Toten einem Fluss übergeben, überlassen die Tibeter die Asche dem Wind. In anderen Regionen bestatten sie ihre Verstorbenen oder überlassen sie den Geiern.

Der See hat eine eisgrüne Farbe. Ein lautes Krachen durchbricht die stille und mystische Atmosphäre. Oberhalb des gegenüberliegenden Ufers, sehen wir einen Gletscherabbruch. Was passiert eigentlich, wenn größere Gletscherteile in den See rutschen? Friedlich genießt ein Nak (ein weibliches Yak) sein kühlendes Bad.

Zurück im Gasthaus genießen wir die letzte heiße Dusche vor dem Pass auf eiskaltem Betonboden. Eine Prozession zieht Richtung Kloster. Morgen soll die Einweihung der neuen Gebäude stattfinden. Wir sehen Mönche und jugendliche Mädchen und Jungs in blauen Trainingsanzügen. Geistliche – und weltliche Lehrer reiten auf Pferden. Sie winken uns zu. Eine Delegation soll aus Taiwan stammen, das den Tempelbau unterstützt hat.

 

14. Tag von Sama (3520 m) nach Dharamsala (4460 m)

23.10.2018

 

Die Tempeleinweihung beginnt um 5:00 Uhr morgens mit meditativem Trommeln. Wir machen uns auf den Weg nach Samdo und laufen 3 Stunden durch eine weite Ebene. Anfangs liegt noch Schnee wie kleine Styroporkugeln und aufgrund einer defekten Wasserleitung, sehen wir einen komplett vereisten Rosenbusch.

Mal wieder fällt uns der Plastikmüll auf. Die Verpackungen kleiner und großer Snacks, Getränkedosen, Bier-und Wasserflaschen ziehen ihre Spur bis in die Berge. Dabei sind es nicht nur Touristen, die ihren Unrat hierlassen, auch Träger und Karavanenführer lassen Müll einfach fallen.

Samdo hat den Charme einer Goldgräberstadt. Außerhalb der Wandersaison lebt hier niemand. Wir wollen nicht noch einen kalten Nachmittag verbringen und beschließen direkt nach Dharamsala weiter zu laufen. Wir brauchen 3,5 Stunden. Das Atmen wird immer schwerer. Wir keuchen und kriechen. Der Syacha Gletscher fasziniert uns, gleichzeitig erschreckt uns das Ausmaß der Gletscherschmelze. Im Boden gibt es viele Löcher – Eingänge zu Murmeltierbauten. Schließlich beginnt es noch zu schneien. Frierend erreichen wir Dharamsala und bekommen die letzten beiden Plätze in einem Zelt zusammen mit Ester, einer jungen Malayin. Wer das Zelt nachts verlässt bzw.  verlassen muss, wird mit dem Anblick eines faszinierenden Sternenhimmels belohnt. Schneebedeckte Gipfel leuchten magisch im Mondlicht.

 

15. Tag von Dharamsala (4460 m) über den Larke Pass (5160 m) nach Bimthang (3590 m)

24.10.2018

 

Dharamsala bedeutet Schutz für jedermann und ist eine Basisstation vor dem Aufstieg zum Larke Pass. Sie besteht aus einigen Gebäuden, ähnlich Containergebäuden allerdings aus Kunststoff, und einigen Zelten. Der Boden unseres Zeltes ist zum Schlafen recht gut isoliert, allerdings zieht es. Wir tragen im Schlafsack unsere volle Montur und haben je zwei Decken. So dösen wir einige Stunden verspannt. Die ersten Wanderer brechen um 4:00 Uhr auf. Die Zeltwände sind verreist, Schlafsäcke und Decken sind nass. Das Wasser in unseren Wärmflaschen ist noch lauwarm, gut zum Zähneputzen. Es dämmert gerade und ist bitter kalt als wir, nach einem schnellen Frühstück, gegen 6:00 Uhr aufbrechen. Uns schmerzen Finger und Zehen vor Kälte. Manus gibt mir seine Handschuhe, weil ich vor Schmerzen weine. Vor uns glüht ein Berg im ersten Sonnenlicht. Wir laufen diesem Glühen entgegen, in der Hoffnung auf etwas Wärme. Als uns die Sonne erreicht sind wir erleichtert. Bald jedoch wird es windig. Der eisige Wind macht das Atmen noch schwerer. Unsere Kehlen schmerzen vom Keuchen. Zum Glück haben wir keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Immerhin! Stunde um Stunde schleppen wir uns weiter nach oben. Nach jeder Erhebung hoffen wir, das Ziel wenigstens zu sehen. Unser Mut sinkt. Diese Herausforderung übersteigt fast unsere Kräfte! Eine halbe Stunde vor dem Pass breche ich weinend zusammen. Mathias versucht zu trösten und Manus kommt zur Hilfe. Jetzt trägt er meinen Rucksack auch noch! Nach 6 Stunden Quälerei erreichen wir endlich den Pass. Ist es wichtig, dass wir uns weinend in den Armen liegen? Nein, nicht für euch. Wir nehmen Snacks zu uns, Mandeln, Rosinen und Pophafer. Und weiter geht es, wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir laufen auf steinigen Pfaden abwärts, wobei wir auf jeden Schritt achten müssen. Alles tut uns weh. Nach insgesammt 13 Std., gegen 19:00 Uhr, erreichen wir Bimthang. Es ist schon lange dunkel, als wir endlich in unserer Unterkunft ankommen und in einem wirklich kuscheligen Zimmer, unter dicken Decken in tiefen Schlaf fallen.

 

16. Tag von Bimthang (3590 m) nach Tilche (2300 m)

25.10.2018

 

Es liegt Raureif, als wir gegen 8:00 Uhr aufbrechen. Am Fluss sehen wir rosa Steine, von Flechten oder Pilzen gefärbt. Am anderen Ufer einen Muli – Friedhof. Die toten Tiere werden dort den Geiern überlassen. Unterwegs treffen wir Wanderer, mit denen wir schon an anderen Stationen unseres Wegs geplaudert haben. Alle sind froh, den Pass gemeistert zu haben und wir sehen schon dem Ende des Treks entgegen. Was soll jetzt noch passieren?

Es tut gut geradeaus zu laufen. Ich finde, Mathias trödelt. Daher laufe ich vor, bis zum nächsten Felsen. Dort oben sehe ich eine Brücke über das milchig grüne Gebirgswasser. Den Wegweiser für die neue Manaslu Route sehe ich nicht. Ich laufe hinunter zur Brücke, sehe an einem Felsen den gelben Kreis, das Symbol der alten Manaslu Route und laufe Vorwärts Richtung Felswand. Weit oben sehe ich Gebetsfahnen, finde aber den Pfad nicht zwischen den Steinen. Ich laufe zurück zur Brücke und warte und warte. Mathias und Manus folgen dem Wegweiser zur neuen Route –  und so verlieren wir uns. Während die beiden sich wundern, weshalb ich so schnell und so weit vor gelaufen bin, wird Mathias immer wütender und Manus immer besorgter. Endlich kommen andere Wanderer, denen ich mich anschließe. Nachdem wir die Gebirgswand erklommen haben, sehe ich gegenüber dem bequemen, neuen Weg. Ich erfahre, dass sich beide Wege nach etwa 1 Stunde treffen. Ich solle im nächsten Teehaus auf meine Gruppe warten. Wir laufen durch einen wunderschönen Wald mit großen, Farn bewachsenen Tannen. Zwischen den Bäumen schimmern die riesigen, schneebedeckten Gipfel. Ich bin besorgt, ob unser Treffen klappt. Irgendwann kommt mir Manus entgegen gelaufen, er war zu besorgt. In einem kleinen Teehaus essen wir zu Mittag, dann laufen wir weiter bis Tilche. An diesem Tag wandern wir vom Winter zurück in den Frühherbst, mit seinen bunten Farben. Wir übernachten im Laxmi Guesthouse. Laxmi ist eine gute Köchin und versorgt Mathias in der Küche mit heißem Raksi, einem lokalen Selbstgebrannten.

 

17. Tag von Tilche (2300 m) nach Jagat (1300 m)

26.10.2018

 

Um 7:45 Uhr brechen wir aus dem mystischen Tilche auf und erleben einen letzten Ausblick auf schneebedeckte Berge. In Dharapani befindet sich der letzten Checkpoint bevor die Manaslu – Route auf den Annapurnakreisel trifft. Hier gibt es auch einige, kleine Geschäfte und endlich wieder Äpfel zu kaufen. Von hier aus sind Jeepfahrten möglich. Wir sehen vollgestopfte Jeeps, auf der halb fertigen, holprigen, steilen Straße und genießen lieber das Laufen. Ein Stück laufen wir noch die Straße entlang, um Zeit zu sparen, wechseln dann auf die andere Flussseite und benutzen den Wanderweg, der durch üppiges Grün führt. Ich sehe zum ersten mal eine Schlange in Nepal, sie ist klein, dunkelbraun mit schwarzem Rautenmuster und verkriecht sich langsam zwischen den Steinen.

Zum Mittagessen sind wir in Tal, hier endet sichtbar der tibetische Einfluss. Wir essen bei einer sehr netten, nepalesischen Familie, im Tilicho Guest House, sind die letzten Gäste und wollen schon zahlen. Ein kleines Mädchen knabbert an einer großen Gurkenscheibe, die aromatisch duftet. Wir schnuppern ihr hinterher und bekommen daraufhin Gurkenscheiben serviert. Sie schmecken köstlich! Mathias fragt nach Gurkensamen und wird von einer alten Dame großzügig aus ihrer Samenbank bedient. Alle freuen sich über unser Interesse an lokalem Gemüse. Beim Bezahlen runden wir den Rechnungsbetrag großzügig auf.

Der Weg nach Jagat zieht sich in die Länge, obwohl er landschaftlich sehr schön ist. Wir laufen an blühenden Sommergärten vorbei und und an geschützten Felsvorsprüngen hängen die Waben der Wildbienen. In Jagat ist es warm genug für eine Dusche mit Haarewaschen, unser Hotel an sich ist recht lieblos.

Manus muss uns immer beim Essen zuschauen. Erst wenn alle Touristen bedient sind, bekommen die Guides und Porter ihr Essen. Das kann dauern! Sie essen wie alle Nepali Dhal Bhaat, das nepalesische Nationalgericht. Es besteht aus Reis, Linsensuppe und zwei verschiedenen Curries, meistens Kartoffeln und Spinat. Dazu gibt es Pickels und Papad, dünnes, knuspriges Brot. Zur Überbrückung der Wartezeit, bekommen sie auch schon mal Raksi, der als Medizin bezeichnet wird.

 

18. Tag von Jagat (1300 m) nach Bulbhule (840 m)

27.10.2018

 

Am letzten Tag unserer Wanderung sind wir müde und erschöpft. Der Pass hat uns unsere Grenzen gezeigt, unsere Akkus sind leer. Wir laufen wieder ein Stück auf der neuen Annapurna Straße. Mit einem riesigen Straßenbauprojekt, unter chinesischer Leitung, wird die Straße aus- und weitergebaut. Einige Abschnitte sind schon asphaltiert und bald wird sie bis Manau reichen.

Wir wechseln wieder auf den Wanderweg, auf der anderen Flussseite und können noch eine Zeit lang die Landschaft genießen – Stein auf, Stein ab – bis wir auch hier auf eine staubige Straße stoßen. Sie ist noch nicht asphaltiert und wirkt, wie eine neue, riesige Wunde, in die Landschaft gefräßt. Mathias kann nicht fassen, dass er hier vor einigen Jahren auf einem schmalen Pfad zwischen Gärten gewandert ist. Nepal verändert sich rasant.

Wir passieren zwei große Staudämme und folgen der Straße bis Bulbhule. In einem sehr gemütlichen, traditionellen Guesthouse verbringen wir unseren letzten Abend mit Manus und übergeben ihm „den Umschlag“.

Außer auf dem Pass, haben wir uns kein einziges mal gefragt, warum wir uns diese Anstrengung antun. Die Antwort war einfach offensichtlich, die Schönheit der Landschaft hat keinen Zweifel zugelassen.

 

19. Tag von Bulbhule nach Pokhara

28.10.2018

 

Wir machen uns auf den Weg zu Dills Hotel in Pokhara. Es ist ein langer Tag mit warten, busfahren, umsteigen, busfahren, warten…

Der organisierte Hotel Transfer funktioniert nicht. Wir warten anderthalb Stunden vergeblich und nehmen uns dann ein Taxi ins Hotel. Nein, nicht den Dills Hotel, wir werden nach nebenan ausquartiert.

Im Gegensatz zu Thamel ist Pokhara ruhig und entspannt, vor allem hier am Lakeside, trotzdem empfinden wir die Stadt, nach der Ruhe der Berge, als „Kulturschock“. Mathias findet „seinen“ Fruchtsaft Stand wieder. Endlich können wir unseren Obstbedarf decken. Fruchtsaft und Obstsalat, wie hatten wir das vermisst!

Pokhara

29.10.2018

 

Wir ziehen um in Dills Hotel und bekommen ein nettes Zimmer. Frühstück gibt es gegenüber in einer Konditorei, mit richtig leckeren Kuchen. Hier lassen sich lustige, bunte Touristen beobachten. Und: es gibt noch Hippies! Wir machen einen Spaziergang um den See. Mittags essen wir zur Abwechslung mal westlich. Nachmittags gibt es ein Verwöhnprogramm, wie lassen uns von den „Helping Hands“ massieren. Bei dieser Organisation werden behinderte, hauptsächlich blinde Menschen zu Therapeuten ausgebildet.

Das „Rest Point Café“ ist das coolste Restaurant am Platz.

Wir haben eine schreckliche Nacht im Hotel mit betrunkenen Zimmernachbarn.

30.10.2018

 

Mit dem Taxi besuchen wir ein tibetisches Flüchtlingszentrum. Hier werden Teppiche geknüpft und zusammen mit anderen kunsthandwerklichen Produkten verkauft. Es gibt auch ein Flüchtlingsmuseum und natürllich ein tibetisches Kloster. Mönche sind beim Gebet und man bittet uns hinein. An der Seite sitzend, dürfen wir der Zeremonie beiwohnen, wobei uns sogar eine Flasche Wasser gereicht wird. Die tiefen Gesänge der Mönche sind beeindruckend aber auch etwas düster. Im Anschluss betrachten wir noch das filigrane Sandmandala, an dem eine Gruppe Mönche viele Tage gearbeitet hat.

Anschließend folgen wir einer riesigen Menschentraube in eine „heilige“ Höhle. Touristen zahlen natürlich Eintritt. Zuerst führen Treppen nach unten, vorbei an neueren Statuen der indischen Götterwelt. Danach quetschen wir uns ca. 50 m in eine feucht-heiße, tropfende Höhle. Vorbei an einem Tempel geht es in eine Seitenhöhle. Hier steht die Skulptur einer Kuh, die Milch gibt, wenn man eine gekaufte Metallmurmel in einen Holzbecher wirft.

 

Von Pokhara ins Kathmandutal

31.10.2018

 

Im bequemen Touristenbus fahren wir ca. 8 Stunden nach Kathmandu. Die Reisernte ist im vollem Gange und wir sehen Bauern die mit der Hand Reis ernten und dreschen.

Dann hat uns das staubige Kathmandu wieder. Die staubigen Straßen resultieren zum Teil aus einem ewig währenden Wasserversorgungsprojekt. Seit Jahrzehnten werden Wasserleitungen gebaut, um Kathmandu mit Gletscherwasser aus den Bergen zu versorgen und die miserable Wasserqualität der Stadt zu verbessern. Mit chinesischer Hilfe ist das Projekt fast geschafft, jetzt müssen nur noch Wasserrohre in der Stadt verlegt werden. Vom Erdbeben zerstörte Straßen werden nicht asphaltiert, weil sowieso wieder Rohre verlegt werden müssen. Das Projekt sieht sich weiter hin.

Wir genießen die Gastfreundschaft von Dill und seiner Frau Puja im Metro Eco Hotel in Thamel.

Und wieder ist es lustig im White House Kitchen. Diesmal unterhält und ein spanischer Opernsänger, der für uns singt, während der Sohn des Hauses die traditionelle Sarangi spielt.

 

Kathmandutal

01.11.2018

Wir verbringen noch drei weitere Tage in Kathmandu und bummeln zum Durbar Square, dem alten Stadtkern mit Königspalast und Tempeln. Der Eintritt ist inzwischen horrend und die Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben sind noch immer im Gange. Uns fällt auf, dass es kaum noch Fahrradrikschas gibt. Vor einigen Jahren stellten sie einen Ersatz für die verbotenen Zweitakt – Motorradrikschas da. Jetzt sehen wir einen richtigen Rickscha – Friedhof.

Zum Abschied besuchen wir noch einmal Bodnath und bleiben diesmal bis zum Abend, was besonders stimmungsvoll ist, weil die Stupa angestrahlt wird und 1000 Lichterketten und Butterlampen leuchten.



02.11.2018



03.11.2018



Schließlich und endlich

möchten wir uns herzlich bei Manus Kumar Karki  bedanken, der uns in so vielen Dingen geholfen hat und uns richtig ans Herz gewachsen ist. Dill Bahadur Chhetri hat unsere Tour organisiert und uns den besten Guide der Welt besorgt. Seinem Einfühlungsvermögen und seiner herzlichen Familie gilt unser Dank. Und natürlich all den Menschen, mit denen uns kleine und größere Begegnungen verbinden. Sie haben unsere Reise zu etwas besonderem gemacht.

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